Deutsche Gedichte
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Neue Gedichte. :
DIE HOFFNUNG DANACH von Robin Gulland
Im tiefsten Herzen
Im tiefsten Tal
voller Schmerzen
nicht minder Qual
Im kleinsten Haar, dem schwächsten Glied
leitet’s empor! Das anmutige Lied
Wohl klingend und Freude bringend,
das ist das Lied! Das werden wir singen
Der Chor der Befreiung dringt zu den Bergen
Dringt in den Wald,
zeigt uns die Scherben, ach so kalt!
Scherben der Freiheit, Scherben der Wonne
Eiskalte Engel auf Schmerzen erpicht
Zeigen uns die Tränen der Sonne
Den Schmerz, unser altes Gesicht
Doch mit wohligen Klängen
Werden Scherben zu Wällen
Auf immer vereint um der Menschheit zu geben,
was sie braucht zum lieben und leben.
ALLES FÜR DICH von Robin Gulland
Gedichte schreiben und Violine spielen
das waren Dinge, die mir gefielen
doch beim ersten Klang deiner Stimme
wurdest du mein Fluss und Hans Hansen zum Gewinne
Als ich dich sah
so wunderbar i
n deinem versteckten Kleid
voll Heiterkeit
da dachte ich wie noch nie
an liebliche Poesie
Dein blonder Zopf, deine blauen Augen
brachten meine Seele offen zum staunen
Da wusste ich sofort, du bist für die Ewigkeit
mit dir gibt es kein Leid
Solch ein Gefühl ist für mich umso neuer
entfacht hast du ein tosendes Feuer
dieses Feuer der Leidenschaft tobt nun in meinem Leben
jetzt weiss ich, wofür es sich lohnt zu streben
So lieb ich dich, so lieb ich dich, zerstöre die Mauer
die uns beiden trennt wie ein stählener Schauer
So bitte ich, so bitte ich dich, öffne dein Herz
bei mir findest du Freude und keinen Schmerz
Ich liebe dich, so sehr, das kannst du mir glauben
dir besorg ich einen Himmel voll weisser Tauben
Tauben der Liebe im Sonnenschein glänzend
du bist so inspirierend und ergänzend.
Wenn die Sonne erwacht von Monkia E. Schwarz
Die Großzügigkeit
der Sonne, dich mit ihren Strahlen zu wecken,
hat die Fähigkeit inne,
über sich hinaus zu wachsen.
Jeder Sonnenstrahl, der dich weckt,
bringt eine neue Seite in dir zum schwingen.
Jeder Sonnenstrahl, der dich wärmt,
bringt dein Herz zum lodern.
Die Sinne erwachen, lassen dich fühlen,
sehen und schwitzen.
Du hörst die Flöhe husten,
schmeckst das Salz auf deiner Haut;
Siehst Dinge, die Du vorher nie gesehen,
erzählst Geschichten,
die Du vorher nie gesprochen.
Erwacht liegst Du in meinen Armen – ist alles nur ein
Traum?

BERÜHMTE GEDICHTE
von Friedrich von Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried von Herder, Joseph Mohr, Theodor Storm, Eduard Mörike, Joseph von Eichendorff, Hans Thoma und Heinrich Heine.
An die Freude von Friedrich von Schiller, 1759 – 1805
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
was die Mode streng geteilt;
alle Menschen werden Brüder,
wo dein sanfter Flügel weilt. (Erster Vers)
Die Teilung der Erde von Friedrich von Schiller
Nehmt hin die Welt!“ rief Zeus von seinen Höhen
den Menschen zu. „Nehmt, sie soll euer sein!
Euch schenk’ ich sie zum Erb’ und we’gen Lehen –
doch teilt euch brüderlich darein.“
Da eilt’, was Hände hat, sich einzurichten,
es regte sich geschäftig jung und alt.
Der Ackermann griff nach des Feldes Früchten,
der Junker birschte durch den Wald.
Der Kaufmann nimmt, was seine Speicher fassen,
der Abt wählt sich den edlen Firnewein,
der König sperrt’ die Brücken und die Straßen
und sprach: „Der Zehente ist mein.“
Ganz spät, nachdem die Teilung längst geschehen,
naht’ der Poet, er kam aus weiter Fern
ach, da war überall nichts mehr zu sehen,
und alles hatte seinen Herrn!
„Weh mir! So soll den ich allein von allen
vergessen sein, ich, dein getreuster Sohn?“
So ließ er laut der Klage Ruf erschallen
Und warf sich hin vor Jovis Thron.
„Wenn du im Land der Träume dich verweilet“,
versetzt der Gott, „so hadre nicht mit mir.
Wo warst du denn, als man die Welt geteilet?“
„Ich war“, sprach der Poet, „bei dir.
Mein Auge hing an deinem Angesichte,
an deines Himmels Harmonie mein Ohr –
verzeih dem Geiste, der, von deinem Lichte
berauscht, das Irdische verlor!“
„Was tun?“ spricht Zeus. „Die Welt ist weggegeben,
der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein,
willst du in meinem Himmel mit mir leben –
so oft du kommst, er soll dir offen sein.“

Johann Wolfgang von Goethe 1749 - 1832
Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.
Heidenröslein
Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah’s mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Knabe sprach: Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: Ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich,
Und ich will’s nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Und der wilde Knabe brach
‚s Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Müßt’ es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Auch das ist Kunst,
ist Gottes Gabe,
aus ein paar sonnenhellen
Tagen sich so viel Licht
ins Herz zu tragen, dass,
wenn der Sommer
längst verweht, das Leuchten
immer noch besteht.
Johann Wolfgang von Goethe

Johann Gottfried von Herder 1744 – 1803
Ein Traum, ein Traum ist unser Leben
auf Erden hier.
Wie Schatten auf den Wogen schweben
und schwinden wir,
und messen unsre trägen Tritte
nach Raum und Zeit;
und sind (und wissen’s nicht) in Mitte
der Ewigkeit.
Joseph Mohr 1792 – 1848
Stille Nacht, heilige Nacht!
Alles schläft, einsam wacht
nur das traute, hochheilige Paar.
Holder Knabe im lockigen Haar,
schlaf in himmlischer Ruh!
Stille Nacht, heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht,
durch der Engel Halleluja
tönt es laut von fern und nah:
Christ, der Retter, ist da!
Stille Nacht, heilige Nacht!
Gottes Sohn, o wie lacht
Lieb’ aus deinem göttlichen Mund,
da uns schlägt die rettende Stund,
Christ, in deiner Geburt!

Knecht Ruprecht von Theodor Storm 1817 - 1888
Von drauß vom Walde komm’ ich her,
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen;
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor,
und wie ich so strolcht durch den finstern Tann,
da rief’s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alt’ und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
und morgen flieg’ ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder Weihnachten werden!“
Ich sprach: „O lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo’s eitel gute Kinder hat.“
„Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier;
denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
fressen fromme Kinder gern.“
„Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten.“
Christkindlein sprach: „So ist es recht!
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“
Von drauß vom Walde komm’ ich her;
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?
Du wirst es nie zu
Tücht’gen bringen
bei deines
Grames Träumerein,
die Tränen
lassen nichts gelingen:
Wer schaffen will, muss fröhlich sein.
Theodor Fontane

Zum neuen Jahr von Eduard Mörike, 1804 – 1875
Wie heimlicher Weise
Ein Engelein leise
Mit rosigen Füßen
Die Erde betritt,
so nahte der Morgen.
Jauchzt ihm, ihr Frommen,
ein heilig Willkommen!
Ein heilig Willkommen!
Herz, jauchze mit!
In Ihm sei’s begonnen
der Monde und Sonnen
an blauen Gezeiten
des Himmels bewegt.
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
sei alles gelegt.
Mondnacht von Joseph von Eichendorff, 1788 – 1857
Es war, als hätt’ der Himmel
die Erde still geküßt,
daß sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müßt’.
Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis die Wälder,
so sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.
Hans Thoma, 1839 – 1924
Ich komm’, weiß nit woher,
ich bin und weiß nit wer,
ich leb’, weiß nit wie lang,
ich sterb’ und weiß nit wann,
ich fahr’, weiß nit wohin:
Mich wundert’s, daß ich fröhlich bin.
Da mir mein Sein so unbekannt
geb’ ich es ganz in gottes Hand, -
die führt es wohl, so her wie hin:
Mich wundert’s, wenn ich noch traurig bin.

Die Lorelei von Heinrich Heine, 1797 – 1856
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
daß ich so traurig bin;
ein Märchen aus alten Zeiten,
das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist kühl und es dunkelt,
und ruhig fließt der Rhein;
der Gipfel des Berges funkelt
im Abendsonnenschein.
Die schönste Jungfrau sitzet
dort oben wunderbar;
ihr goldnes Geschmeide blitzet,
sie kämmt ihr goldenes Haar.
Sie kämmt es mit goldenem Kamme
und singt ein Lied dabei;
das hat eine wundersame,
gewaltige Melodei.
Den Schiffer im kleinen Schiffe
ergreift es mit wildem Weh;
er schaut nicht die Felsenriffe,
er schaut nur hinauf in die Höh’.
Ich glaube, die Wellen verschlingen
am Ende Schiffer und Kahn;
und das hat mit ihrem Singen
die Lore-Ley getan.
